Archiv der Kategorie: Vitalstoffe und Spurenelemente

Multiple Sklerose – Naturheilkundliche Therapieansätze

Neben der Epilepsie ist die Multiple Sklerose eine der häufigsten neurologischen Erkrank-ungen, die bevorzugt bei jungen Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auftritt. Die Erkrankung gilt als nicht heilbar. – Heilpraktiker Dirk-Rüdiger Noschinski zeigt naturheil- kundliche Therapien auf, mit denen man sich dieser Erkrankung nähert, kurativ behandlet und die  Beschwerden deutlich lindern kann. Multiple Sklerose und naturheilkundliche TherapieansätzeMultiple Sklerose (Encephalo-myelitis disseminata) ist eine autoimmunentzündliche Erkrank- ung des ZNS. Im pathophysiologischen Modell treten autoreaktive T-Zellen über die Blut- Hirn-Schranke über und sensibilisieren sich gegen basisches Myeloprotein. Im Rahmen der Aktivierung des spezifischen Immunsystems kommt es durch die entzündliche Markscheidenschädigung zu herdförmigen Entmarkungen im ZNS und im Rückenmark. Der Krankheitsverlauf ist zu Beginn in 80% der Fälle schubförmig und geht dann in eine sekundäre Progredienz über, 20% der Erkrankten leiden von Beginn an der primär chronischprogredienten Form. Frauen sind vom schubförmigen Verlauf doppelt so häufig betroffen wie Männer, beim progredienten Verlauf hingegen ist die Geschlechterverteilung gleich. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein und z.B. als Parästhesien, Fatigue, Trigeminusneuralgie, Opticus-neuritis, Blasenatonie, ataktische Gangmuster oder Sprachstörungen (skandierende Sprache) auftreten. Die Diagnosestellung ist nicht ganz einfach, sie erfolgt meist über eine Kombination von MRT mit den typischen Entmarkungszeichen, Lumbalpunktion mit Nachweis oliklonaler IgG-Banden im Liquor und Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Differenzialdiagnostisch sollte immer eine chronische Neuroborelliose ausgeschlossen werden. Die schulmedizinische Therapie beruht im Wesentlichen auf Immunsuppression mit Cortison bzw. Azathioprin, Immunmodulation mittels rekombinanter Interferone, Glatirameracetat, monoklonaler Antikörper und einer symptomatischen Behandlung. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit der Behandlung von MS-Patienten und habe ein eigenständiges naturheilkundliches Therapiekonzept für dieses Krankheitsbild entwickelt. Es besteht aus einer speziellen Ernährung, orthomolekularer Medizin, Osteopathie, Entgiftungsprogrammen und einem Portfolio biologischer Heilverfahren, die je nach der aktuellen Krankheitssituation eingesetzt werden. Hierzu zählen z.B. Infusionen mit Calcium-2- Ethylaminophosphat (Calcium EAP®), Schlangenreintoxine nach Diesing, Ohrakupunktur, humoralpathologische Verfahren, die Gabe homöopathischer bzw. spagyrischer Mittel, Neuraltherapie, Organotherapeutika und Nosoden. Alle diese Therapieverfahren werden individuell für den Betroffenen zusammengestellt. Dieser Artikel soll Ihnen einen Überblick über die wichtigsten praxisbewährten Verfahren geben.

MS und Ernährung
In der Alternativmedizin existieren verschiedene diätetische Modelle zur Behandlung der Multiplen Sklerose, z.B. die linolsäurefreie Diät nach Frazer & Hebener, die absolut fettarme Kost nach Swank, die kuhmilchfreie Ernährung nach Agranoff & Goldberg oder das Rohkost- modell nach Evers. All diese Ernährungsformen haben eines gemeinsam: Es handelt sich um pauschale Empfehlungen. Die Modelle, die auf der Modifikation der Fettzufuhr beruhen, wirken durch Hemmung der Bildung von Serie-II-Eicosanoiden bzw. Optimierung der Serie-III-Eicosanoide auf die Prostaglandinbiosynthese. Die anderen Modelle, bei denen bestimmte Nahrungsmittel gemieden werden, sind häufig empirisch in der Praxis entstanden. Ich konnte im Laufe meiner Arbeit mit MS-Patienten immer wieder feststellen, dass sich die Wirkung der einzelnen Modelle nie pauschal bei allen Betroffenen reproduzieren lässt. Ich denke, der Grund hierfür ist in einer individuellen Unverträglichkeit zu suchen. Es handelt sich dabei nicht um eine Typ-I-Allergie gegen Nahrungsmittel, die nach meiner Beobachtung keine Auswirkung auf die MS hat. Vielmehr ist es die verzögerte Allergie vom Typ-III, die durch Antikörper der Klassen IgG 1-4 bzw. IgG4 vermittelt wird, deren Bedeutung bei MS-Patienten nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Basis der Typ-III-Allergie ist ein sogenanntes „leaky gut syndrome“, eine Permeabilitätsstörung der Dünndarmmucosa. Durch den vermehrten Antigendruck und die daraus resultierende immunologische Reaktion kommt es zu einer Verschiebung der TH1-TH2-Achse zugunsten der TH1-vermittelten Immunantwort. Gerade bei MS-Patienten ist bekannt, dass Immun-reaktionen, wie sie z.B. bei Infekten auftreten, eine akute Triggerwirkung auf die Erkrankung aufweisen können. Die Typ-III-Reaktion führt zwar nicht zu einem akuten Schub, ist aber eine Dauerbelastung für das Abwehrsystem und sorgt dafür, dass die chronisch-schwellende Entzündung im ZNS nicht zur Ruhe kommt. In meiner Praxis zählt die Labor-untersuchung des Blutes nach potenziellen Typ-III-Nahrungsmittelallergenen daher zu den Standardverfahren bei MS-Patienten. Bei positivem Befund erfolgt eine allergenkarente Ernährung und die medikamentöse Behandlung des „leaky gut syndrome“. Oft bessert alleine dieser Therapieschritt einige der beklagten Symptome und führt dazu, dass die Triggerwirkung von Infekten, Stress oder großer Hitze vom Patienten weitaus besser kompensiert werden kann.

MS und Mikronährstoffe
Schulmedizinisch wird oft behauptet, dass eine Mikronährstofftherapie bei MS keinen Sinn habe, weil die Multiple Sklerose ja keine Vitaminmangelerkrankung sei. Orthomolekulare Medizin ist die Verwendung von Mikronährstoffen in therapeutisch wirksamer Dosierung, hat also mit reiner Substitution zur Behebung eines Mangels nichts zu tun. Folgende Mikro-nährstoffe haben sich in meiner Praxis bei der MS-Behandlung hervorragend bewährt – bitte beachten Sie individuelle Kontraindikationen Ihrer Patienten wie z.B. Schwangerschaft.

Vitamin B12 (Cyanocobalamin)
Der Körper benötigt Vitamin B12 bei der Remyelenisierung, z.B. nach einem akuten MS-Schub. Zusätzlich wirken sich therapeutische Dosierungen von Vitamin B12 deutlich hemmend auf Nitrostress aus, was man sich in der Praxis zur Kontrolle der latenten Entzündungssituation bei Autoimmunopathien zunutze machen kann. Ich verwende seit Jahren Vitamin-B12- Ampullen in einer Stärke von 3.000 μg in Verbindung mit 20 mg bzw. 5 mg Folsäure. Die beiden Substanzen werden 2 x pro Woche über einen Zeitraum von 10 Wochen intramuskulär appliziert, zusätzlich erfolgt eine orale Medikation mit einem B-Komplex. Meine persönliche Benchmark in der Praxis ist die Untersuchung der Methylmalonsäure im Urin als Marker für den Vitamin-B12-Bedarf. Das Ergebnis dieser Untersuchung ist völlig unabhängig von der serologischen B12-Bestimmung und zeigt bei Erhöhung, dass der Vitamin-B12-Bedarf des Stoffwechsels nicht vom Angebot gedeckt wird.
Ich sehe mit dieser Therapie immer wieder sehr gute Ergebnisse in der Remissionsphase nach einem Schub – Vollremissionen sind dadurch sehr viel einfacher zu erreichen.

Vitamin B5 (Pantothensäure)
kommt im Körper in Form von Coenzym A in höherer Konzentration im Liquor cerebrospinalis vor und hat eine zentrale Bedeutung bei der Energiegewinnung der Zellen. Bei Fatigue und muskulären Defi ziten ist Vitamin B5 ein wichtiger Schlüsselnährstoff. Die Tagesdosierung liegt – je nach Patient und Symptomatik – zwischen 100 und 1.000 mg. Pyri- doxin (Vitamin B6) spielt bei MS vor allem dann eine Rolle, wenn gleichzeitig eine Kryptopyrrolurie (KPU) vorliegt. Die KPU ist eine angeborene Stoffwechselstörung, die durch einen Defekt im Häm-Stoffwechsel entsteht. Das Kryptopyrrol verbindet sich mit der aktiven Form von Vitamin B6, dem Pyridoxal- 5-Phosphat, zu einer Schiff’schen Base, die eine Affinität zu Zink hat und dieses aus dem Körper cheliert. Es kommt bei den Betroffenen also zu einer Verarmung an Zink und aktivem Vitamin B6, die sich hemmend auf die Produktion von Neurotransmittern wie GABA, Glutamat, Dopamin oder Serotonin auswirken kann. Bei MS-Patienten konnte ich immer wieder feststellen, dass bei gleichzeitigem Vorliegen von KPU und Parästhesien sich letztere durch die orthomolekulare Behandlung der KPU deutlich bessern. Neben Zink und Vitamin B6 sind hierzu weitere Mikronährstoffe wie Mangan notwendig. Ziel ist die weitgehende Normalisierung der KPU. Eine weitere wichtige Bedeutung hat Vitamin B6 bei der Synthese der Sphingolipide im ZNS. Sphingolipide dienen nicht nur als struktureller Membranbestandteil der Nervenzelle, vielmehr haben sie große Bedeutung als Signalmolekül im ZNS, wobei dem Sphingolipid-Ceramid- Stoffwechselweg als Regulator von Apoptose, Zellproliferation bzw. -differenzierung bei der Multiplen Sklerose besondere Wichtigkeit zukommt.

Kalium
befindet sich als Teil der Natrium- Kalium-Pumpe vor allem intrazellulär. Nach meiner Erfahrung zeigen die üblicherweise vorgenommenen serologischen Tests einen Kalium-mangel erst bei sehr weit fortgeschrittenen Fällen. Als wesentlich genauer hat sich die Vollblutuntersuchung gezeigt, vor allem dann, wenn gleichzeitig die Vollblutspiegel von Kalium, Magnesium und Calcium gemessen werden. Sie befi nden sich untereinander in einem Antagonismus, d.h., ein Kaliummangel kann auch durch einen Magnesiumüberschuss ausgelöst sein. Zusätzlich spielt Kalium eine wichtige Rolle bei latenten Azidosen, d.h. bei einer Übersäuerung kommt es zur intrazellulären Kaliumverarmung, was paradoxerweise dazu führen kann, dass der Serum-Kalium- Spiegel ansteigt. In diesem Fall handelt es sich um eine Kaliumverteilungsstörung, die sich in der Zelle aber wie ein Kaliummangel auswirkt.
Kaliummangel kann bei MS-Patienten Müdigkeit, Obstipation, muskuläre Adynamie oder – das Gegenteil – muskuläre Spasmen verstärken. Zu seiner Behebung sollte die Ursache des Kaliummangels behandelt werden. Handelt es sich beispielsweise um eine latente Azidose, sollten Sie vor allem auf die Entsäuerung des Patienten achten, wobei dem Element Zink als
wichtigem Bestandteil des Enzyms Carboanhydrase eine besondere Bedeutung zukommt. Die Dosierung sollte sich am Vollblut-Kaliumwert orientieren. In der Praxis setze ich sehr gerne eine Kombination aus Kalium, Calcium und Magnesium in Form von Colaminphosphat (2-Ethyl-Aminophosphat) ein, da nach Hans Nieper gerade dieses Anion einen besonderen Bezug zu den Myelinscheiden aufweist.

Vitamin D
Aktives 1,25-OH-2-Vitamin D fördert die genetische Expression des Nervenwachstumsfaktors NGF in Nerven- sowie Gliazellen. Durch die Downregulation der Aktivität der NO-Synthetase ist es in der Lage, überschießende Entzündungsreaktionen zu bremsen. Bei der experimen- tell induzierten autoimmunen Enzephalomyelitis zeigt Vitamin D deutlich schützende Eigenschaften für Nervenzellen, im Tiermodell moduliert es die Funktion der T-Suppres-sorzellen im Sinne einer erhöhten Toleranz gegen organspezifische Auto-Antigene. Unter Vitamin-D-Mangel wurden in der Literatur u.a. Myopathien, Depressionen, Tetanie und Störungen der sensorischen und motorischen Nervenleitgeschwindigkeit beschrieben. Ich setze gerne 25-OH-Vitamin D ein, da der Körper die Umwandlung in aktives 1,25-OH-2- Vitamin-D selbstständig regulieren kann und auf diese Weise toxische Effekte minimiert werden können. Die eingesetzte Zieldosierung sollte einen Serospiegel von über 100 Vitamin-D nmol/l erreichen. Aktuelle amerikanische Publikationen sprechen sogar von einem idealen Vitamin-D-Serospiegel von ca. 140 nmol/l. Wichtig hierbei ist stets, neben der Bestimmung des 25-OH-Vitamin-D, auch an die Bestimmung von Calcium im Serum zu denken. Dieses sollte unter einer Vitamin-D-Therapie nicht über Norm ansteigen! Hinter dieser „Vitamin-D-Hypersensitivity“ verbirgt sich oft eine endokrinologische Störung der Nebenschilddrüse, die fachärztlich abgeklärt werden sollte. In der Praxis bestimme ich den Serospiegel von 25-OH-Vitamin-D und Calcium anfangs in regelmäßigen Abständen, um die patientenindividuelle Dosierung zu ermitteln. Diese kann saisonal schwanken, z.B. durch die verminderte Lichtausbeute im Winter.

Vitamin Q10 (Ubiquinone)
hat als Kofaktor der mitochondrialen Enzymkomplexe I-III eine essenzielle Bedeutung für den Elektronentransport und die Energiegewinnung in jeder Körperzelle. Als entscheiden- des Antioxidant kommt ihm in der lipophilen Phase eine besondere Rolle bei neurodegene-rativen Erkrankungen zu.

Es gibt zwei wichtige Einsatzgebiete für Q10 im Rahmen der orthomolekularen Behandlung bei MS:
1. die Verbesserung der muskulären Ausdauerleistung, die sich bei vielen MS-Patienten im Verlauf der Erkrankung zunehmend einschränkt,
2. die potente antioxidative Wirkung an der Zellmembran der Myelinscheiden. Zu diesem Zweck sind allerdings Vollblutspiegel über 2,4 mg/l erforderlich, die individuelle Dosierung von Vitamin Q10 sollte sich also hieran orientieren. Nicht selten sind dafür Tagesdosier- ungen von 200-400 mg notwendig. Im Rahmen einer orthomolekularen Therapie ist die Kombination mit weiteren neuroprotektiv wirkenden Mikronährstoffen sinnvoll, vor allem mit Acetyl-L-Carnitin und Benfotiamin. Zur Verbesserung muskulärer Leistungsfähigkeit sind neben Vitamin Q10 L-Carnitin, Magnesium, Calcium, Kalium und Kreatin oft zusätzlich notwendig.

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Multiple Sklerose und naturheilkundliche Therapieansätze

Begründung der therapeutischen Potenzierungseffekte mittels der bioaktiven Wirkform des Vitamin D-Steoridhormons plus Calzium Dr. med. Heinrich Kremer 2009 – Barcelona

Ralf Kollinger und Dr. med. Heinrich Kremer

Ralf Kollinger und Dr. med. Heinrich Kremer

Bei den neueren publizierten internationalen Studien zu den erst in den letzten Jahren erkannten Breitband-Wirkungen durch Vitamin D3 / Calcium 2+-Substitution handelt es sich ganz überwie- gend um ecologic and observational studies sowie prospektive Kohortenstudien mit z.T. sehr großen Populationen zur Prävention eines breiten Spektrums inflammatorischer Erkrankungen sowie von ca. 20 der häufigsten Tumorleiden in USA, Europa und Austra- lien. Außerdem sind einige Studien zur Prävention und Behandlung der Osteoporose durchgeführt worden. Der Tenor ist überein-stimmend: Die aktuelle Empfehlung zur Dosierung (RDA) für Vita- min D3 von 200-600 I.U./Tag liegt zu niedrig. Es besteht jedoch das gleiche Problem wie beispielsweise bei den nicht patentfähigen Naturstoffen der Polyphenole: Es fehlen die Ergebnisse von klinischen Studien z.B. bezüglich der Krebstherapie, im Vergleich zu den sehr überzeugenden Präventionsstudien gibt es nur wenige Pilotstudien zum colorectalen, Brust- und Prostatakrebs. Daraus ergab sich ein schwieriges Problem: Wie lässt sich der therapeutische Einsatz von Vit D3 in der Krebstherapie und bei den zahlreichen inflammatorischen Syndromen in den Praxisstudien begründen, ohne Schaden für die Patienten befürchten zu müssen? Die biologisch aktive Form von Vit. D3 ist ein Steroidhormon. Nun wissen wir bei Brust- und Prostatakrebs, dass die Steroidhormone Östrogene und Androgene, bei diesen Krebsformen die Krebsprogression aktivieren können. Deswegen die therapeutische Hormonblockade bei diesen hormonsensitiven Tumoren in der konventionellen Krebstherapie. Außerdem aktiviert Vit. D die Typ 2-Zytokine TGF-Beta 1 und Interleukin-4, also dieselben Zytokine wie in den Krebszellen. TGF-Beta aktiviert in einem komplizierten Zusammenspiel die Poliamine, die ihrerseits bekanntlich die un- kontrollierte Zellteilung der Krebszellen antreiben. Anderseits hat sich in einigen Studien mit Krebszelllinien und in Tierexperimenten gezeigt, dass Vit. D Krebszellen zur Differenzierung und Ausreifung zu spezialisierten gewebstypischen Zellen zwingen kann. Wie waren diese widersprüchlichen Befunde auf einen therapeutisch sinnvollen Nenner zu bringen? Aus diesem Grund habe ich im Interesse der Kollegenschaft und der therapeutischen Option für die Patienten die Evolutionsbiologie des Vit. D3 analysiert. Das Vit. D3 hat sich als eines der ältesten Hormone bereits vor mehr als 700 Millionen Jahren bei den Mehrzellern gebildet, also zum Zeitpunkt des Auftauchens der ersten Organismen mit echter Gewebsbildung, die definitionsgemäß als Tiere bezeichnet werden. Da diese aber anfangs weder einen Kalkpanzer noch gar ein inneres Skelettgerüst besaßen, kann die evolutionsbiologisch früheste Funktion des Vit. D3 der ersten Mehrzeller nicht von der Kalzium-Phosphat-Regulation des Skelettsystems abgeleitet werden, sondern muss mit der neuartigen Gewebsbildung in Zusammenhang gebracht werden. Das ist in der Tat auch heute noch beim Menschen von entscheidender Bedeutung für Gesundheit und Krankheit, Leben und Tod. Diese Schlussfolgerung offenbarte mir den entscheidenden Denkfehler aller Forschungsgruppen, der zum bisher so zögerlichen Einsatz von Vit. D in der Therapie systemischer Erkrankungen geführt hat.

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Begründung der therapeutischen Potenzierungseffekte mittels der bioaktiven Wirkform des Vitamin Dr. med. Heinrich Kremer 2009 – Barcelona

Dr. Bodo Kuklinski, Rostock – zur „Gefährlichkeit“ von Vitaminen und Mikronährstoffen

Dr. Bodo Kuklinski, Rostock

Dr. Bodo Kuklinski, Rostock

In den letzten Jahren erschienen wissenschaftliche Publikationen und Wissenschaftsfeuilletons der Presse, die fast kampagneartig negative Aussagen über Vitamin- und Mikronährstoffwirkungen trafen. Ohne eigene Recherchen übernehmen Journalisten kritiklos Publikationsresultate oder zitierten „Experten“, die sich schon vorher einseitig positioniert hatten. Meldungen wie:
– Studien zeigen den großen Schwindel mit den Vitaminpillen. Sie seien wirkungslos, teuer, manchmal gefährlich und ein Milliardengeschäft (3).
– „Die Vitaminlüge“ (Süddeutsche Zeitung Nr. 15, Mai/Juni 2007)
– „Antioxidantien – kein Schutz vor kardiovaskulären Erkrankungen“ (Ärztliche Praxis 14.8.2007)
– Vitamin B nützt dem Herzen nichts. Cardio News 9 (2007) (WENBIT-Studie)
Weitere Publikationen wurden ähnlich in der Presse zitiert:
– Vitamin C blockiert die Wirkung der Krebs-Chemotherapie (1)
– Selen und Vitamin E senken nicht das Prostatakrebs-Risiko (2)
Weitere Beispiele über einseitige Aussagen finden sich in (5), u. a. auch, dass eine tägliche 10-minütige Sonnenlichtexposition ausreiche, den Vitamin-D-Tagesbedarf zu decken.

Medizinische Laien, Ernährungsberater, aber auch Ärzte glauben derartige Schlussfol-gerungen, da ihnen biochemische Grundkenntnisse fehlen, sie nicht die Originalliteratur lesen und falls doch, sie nicht Fehler oder statistische Unkorrektheiten erkennen.

„Vitaminpräparate können tödlich sein“ – war einer der jüngsten Horrormeldungen, die im Frühjahr 2007 weltweit durch die Presse ging. Anlass war die Metaanalyse einer dänischen Forschergruppe der Universität Kopenhagen von 68 Originalarbeiten über die Effekte von Nahrungsergänzungsmitteln und Selen (4). Sofort nach Publikation zweifelten renommierte Wissenschaftler über die Durchführung und Interpretation der Studie. Der renommierte Münchner Professor für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie Jörg Hasdorf auf einem Workshop der GVF (Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung) am 21.8.2007 in Berlin:

Dr. Bodo Kuklinkski ist seit 40 Jahren praktizierender Facharzt für Innere Medizin und u. a. Mitglied der Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung (GVF).

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Dr. Bodo Kuklinski aus Rostock zur Gefährlichkeit Vitaminen und Mikronaehrstoffen

Der Immunologe Dr. rer. nat. Erwin Walraph im Frankfurter Consilium

Der Immunologe Dr. rer. nat. Erwin Walraph im Frankfurter Consilium

Neubrandenburg, 30.12.2009
Dr. Erwin Walraph, Laborpraxis für Immunologie. 17034 Neubrandenburg,

Lieber Herr Kollinger,
Ich wünsche mir die Fortsetzung Ihrer interessanten und z. T. aufmunternden oder auch deprimierenden Informationen 😉 sowie den Fortbestand des interdisziplinär tätigen Frankfurter Consil- iums. Zu der von Ihnen kürzlich übermittelten Arbeit von Herrn Dr. Bodo Kuklinski „Zur „Gefährlichkeit“ von Vitaminen und Mikronährstoffen“ muss ich einige Bemerkungen schreiben. Grund- sätzlich hat Herr Kuklinski Recht betreffs der unkontrollierten und z. T. unverantwortlichen Therapien mit Mikronährstoffen. Leider geht er auf deren Wirkung auf das Immunsystem nicht direkt ein, sondern erwähnt nur die Auswirkungen. Ich möchte meine Erfahrungen in diesem Zusammenhang kurz mitteilen (keine Studien). Durch verschiedene Pharmafirmen wurde mit einer enormen Werbung ein riesiges Finanztor aufgestoßen. Viele Patienten schlucken über Jahre unverantwortlich hohe Dosen von Multipräparaten ohne jemals den Haus- oder Facharzt darüber informiert zu haben. Weiterhin werden Patienten von ärztlichen Kollegen und mit ihnen zusammenarbeitende Apotheken mit den sog. Nahrungsergänzungsmitteln und nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten versorgt. So kommt es vor, dass ängstlichen Patienten über Jahre wöchentlich die Immuntherapeutika Mistellektine, Thymuspeptide und oder Enzyme injiziert bekommen. Diese Patienten fallen erst durch eine Kontrolle des Immunstatus auf. Immunopathien wie Dysregulationen, Immunschwächen und oder überschießende Immunmechanismen sowie Redoxblockaden sind die Folge. Das Immunsystem ist das wichtigste Organ zur Integrität, Individualität und Gesunderhaltung des Organismus. Die Lymphopoese und Immunzelldifferenzierung sind außerordentlich abhängig vom Mitochondrien- und Zellstoffwechsel sowie von Einflüssen des ZNS und dem Alter. Das Wissen über die Zusammenhänge ist im Allgemeinen wenig vorhanden. Es ist auch eine Aufgabe der Laboratorien, den Ärzten (und Patienten) die Laborwerte plausibel zu erklären und Zusammenhänge aufzuzeigen; wenn auch der EBM kaum Spielraum zulässt. Es gibt viele Möglichkeiten, sein Wissen zu erweitern (z. B. das Frankfurter Consilium). Viele Ärzte sind bereit ihr spezielles Wissen weiter zugeben oder zur Diskussion zu stellen. So kann der komplexe Organismus Mensch in der täglichen Praxis besser erkannt und auch therapiert werden.

Mit herzlichen Grüssen
Ihr
Erwin Walraph

Vitamine C und E steigern angeblich Krebsrisiko

Die Verunsicherung der Verbraucher durch Negativschlagzeilen ohne wissenschaftlichen Hintergrund muss aufhören!

Im unteren Teil dieser Nachrichten sind weitere Stellungnahmen auch durch den medizinisch wissenschaftlichen Abt. Pascoe

Kommentar der Medizinisch-Wissenschaftlichen Abteilung der Dr. Loges + Co. GmbH

Hintergrund:
Unter der Überschrift „Die dunkle Seite des Vitamin C“ erschien in mehreren Zeitschriften des Springer-Verlags ein Bericht, wonach Wissenschaftler der Harvard-Universität nachgewiesen haben sollen, dass antioxidativ wirkende Vitamine Krebs fördern. Diese Substanzen sollen, so der Bericht, die gleiche Wirkung im Körper entfalten wie ein berüchtigtes Krebsgen. Als Quelle wird eine in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift NATURE1 am 19. August 2009 publizierte zellbiologische Studie der Harvard Medical School in Boston, Massachusetts, USA, genannt.

Kritische Betrachtung Die Arbeit ist bisher ausschließlich als Online-Version gegen eine Gebühr von 32 $ zu erhalten. Wenn man dieses Geld investiert und sich die an Wissen-schaftler gerichtete und ausschließlich in englischer Sprache erhältliche Arbeit sorgfältig durchliest, kommt man zu völlig anderen Erkenntnissen, als in der „Welt“ und der „Berliner Morgenpost“ zu lesen ist.

Es handelt sich um eine Grundlagenarbeit, die ausschließlich Versuche an Zellkulturen beschreibt und wertvolle Hinweise zur Entstehung bestimmter Tumore und von Metastasen geben kann. Es wurde gezeigt, dass es in epithelialen Brustzellen, die aus ihrem Muttergewebe herausgelöst wurden, zu einem Defizit an dem Energieträger ATP kommt. Verursacht wird dieses Defizit durch eine Einbuße des Glucosetransports. Ohne ausreichende Energiezufuhr sterben die isolierten Zellen oder werden in die Apoptose geschickt, das Selbstmordprogramm für entartete Zellen – ein Vorgang, der sehr häufig im Körper abläuft. Die übermäßige Bildung eines Gens (ERBB2) aktiviert Enzyme und stabilisiert biochemische Prozesse, wodurch Glucose zurück gewonnen und das oben beschriebene ATP-Defizit ausgeglichen werden kann. Die entarteten Zellen können dadurch länger überleben. Das ATP-Defizit konnte im Laborversuch auch durch die Gabe bestimmter Antioxidantien ausgeglichen werden. Als Antioxidantien wurden für die Versuche N-Acetyl-Cystein (NAC) oder Trolox (ein chemisch erzeugtes, wasserlösliches Vitamin E-Derivat) verwendet.

Die Versuche lassen keine Rückschlüsse auf die Situation im Menschen zu, es sind „Reagenzglasversuche“. Erst recht lassen sich keine Rückschlüsse auf die Wirkung von Vitamin C ableiten, denn in keinem der Versuche wurde Vitamin C getestet.

Auch über das in der Nahrung enthaltene und in Vitaminpräparaten eingesetzte Vitamin E gibt die Arbeit keine Auskünfte. Vitamin E in seiner „normalen“ Form ist fettlöslich und könnte bei diesen Laborversuchen nicht eingesetzt werden. Die Zellen schwimmen in einer wässrigen Nährlösung. Vitamin E würde, wie Fettaugen in der Suppe, an der Oberfläche der Lösung treiben und keinen Kontakt zu den Zellen haben. Stattdessen kam N-Acetyl-Cystein zum Einsatz eine nichtessentielle Aminosäure, die weltweit und seit vielen Jahren als schleimlösendes Husten-Arzneimittel eingesetzt wird. Eine krebsfördernde Wirkung ist trotz strenger amtlicher Überwachung durch die Arzneimittelbehörden nicht bekannt. Die zweite Testsubstanz, Trolox, wird international als Laborstandard zur Messung der antioxidativen Kapazität verwendet. Es ist jedoch weder in der Nahrung noch in Vitaminpräparaten enthalten. Es stellt sich die Frage, wie die Redakteure der Publikumspresse daraus die Überschrift „Die dunkle Seite des Vitamin C“ ableiten konnten. Sind Vitamine gefährlich? – Studienergebnisse auf den zweiten Blick Am Ende der Zeitungsartikel wird der Ernährungswissenschaftler Michael Ristow von der Universität Potsdam mit folgenden Worten zitiert: „Bisher war die Frage bei Vitaminpräparaten, ob sie gesundheitsfördernd sind oder sinnlos. Die neuen Studien zeigen jedoch, dass sie sogar schaden.“ Zitiert wird dann eine Arbeit von Ristow zu Vitamin C und E, die zeigen sollte, dass die Präparate die gesunde Wirkung von Bewegung aufheben können. Der anerkannte Direktor des Instituts für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft der Universität Hohenheim, Prof. Dr. med. H. K. Biesalski, hat die Arbeit von Ristow vor kurzem kommentiert und kommt zu dem Schlusssatz: „Anhand des in der vorliegenden Studie von Ristow gewählten Kollektivs, das aus gesunden Personen besteht, ist ein Versuch, den Stellenwert von Antioxidation in der Prävention zu erörtern, wenig sinnvoll.“ Interessanterweise wird in allen Arbeiten darauf hingewiesen, dass Obst und Gemüse trotzdem weiterhin gegessen werden sollen. Meist wird dabei als Beleg auf eine Metaanalyse von Hamer und Chida (2009) hingewiesen. Diese Metaanalyse, die fünf große Ernährungsstudien und neun Studien mit Anwendung von Antioxidantien zusammenfasst, wird jedoch nur selektiv gelesen oder wiedergegeben. Denn die Metaanalyse kommt überraschenderweise zu dem Schluss, dass selbst der Konsum von fünf oder mehr Portionen Obst und Gemüse pro Tag lediglich zu einer Risikoreduktion (an Diabetes zu erkranken) von knapp 3 % führt. Die Supplementierung von Antioxidantien hat jedoch eine Risikoreduktion um 13 % zur Folge. Letztere war besonders bei Supplementen mit Vitamin E, das in Obst und Gemüse nur in sehr geringer Menge vorkommt, zu beobachten. Obwohl es eindeutige wissenschaftliche Belege für die Bedeutung von Vitaminen für die Gesundheit gibt, werden immer wieder Studienergebnisse veröffentlicht, die den Nutzen und die Sicherheit der Mikronährstoffe in Frage stellen. Dies überrascht nicht, ist doch die Beziehung zwischen Ernährung, Lebensstil und potenziell durch Vitaminmangel bedingten Krankheiten sehr komplex. Unter allen publizierten Studien die wirklich aussagekräftigen auszumachen, ist daher nicht einfach: da wird retrospektiv (also in der Erinnerung) geforscht, auf der Basis observatorischer Fallstudien spekuliert, in Metaanalysen Datenmaterial primärer und sekundärer Präventionsstudien vermischt oder von den Ergebnissen hochdosierter Interventionsstudien eine Empfehlung bzw. eine Warnung für die Prophylaxe abgeleitet. In den Pressemeldungen werden scheinbar weitere Belege für den angeblichen Schaden der Antioxidantien-Einnahme aufgeführt.

Die offensichtliche Schwäche vieler Studien liegt in ihrer Methodik: In vielen Ernährungs- studien wird versucht, mittels Fragebogen zu ermitteln, welchen Einfluss die bis zu 10 Jahre zurückliegende Einnahme von Mikronährstoffen auf die Entwicklung einer Erkrankung hat. Es ist kaum vorstellbar, dass sich Probanden hinreichend genau erinnern können, in welcher Reihenfolge, Häufigkeit, Zusammensetzung und Dosierung sie in den letzten 10 Jahren Produkte mit Mikronährstoffen eingenommen haben.

Tatsache bleibt, dass zahlreiche Studien zur ausgewogenen Ernährung und zusätzlichen Mikronährstoffeinnahme einen präventiven Effekt auf diverse Krankheiten nachweisen konnten. Es ist jedoch auch klar, dass ein ungesunder Lebensstil, wie beispielsweise Rauchen über viele Jahre, durch die Einnahme von Mikronährstoffen nicht kompensiert werden kann.

Die Verunsicherung der Verbraucher durch Negativschlagzeilen ohne wissenschaftlichen Hintergrund muss aufhören!

Winsen, 02.09.09
Dr. Andreas Biller

Schafer ZT, Grassian AR, Song L et al.: Antioxidant and oncogene rescue of metabolic defects caused by loss of matrix attachment. Nature advance online publication 19 August 2009 / doi:10.1038/nature08268; Received 13 March 2009; Accepted 6 July 2009; Published online19 August 2009.

Hierzu noch weitere Stellungnahmen von Pascoe
Vitamin C medizinische wissenschaftliche Abteilung Pascoe und die Stellungnahme zu den Studien von Gomez und Ristow
Vitamin C Stellungnahme zur angeblichen Bildung von Nitrosaminen durch Vitamin C in Gegenwart von Fetten 27092007
Vitamin C Stellungnahme zur Veröffentlichung von Pressetexten (welt-online) zur Studie von Schafer & Brugge 2009 in nature

Vitamin C arscorbat; Pharmakologische Dosen von Vitamin C Ascorbat wirken als prooxidant und bewirken die Abnahme, bzw. Rückgang des Wachstum von aggressiven Tumorfremdtransplantaten in Mäusen

Pharmacologic doses of ascorbate act as a prooxidantvand decrease growth of aggressive tumor xenograftsv in mice

Qi Chen*†, Michael Graham Espey*†, Andrew Y. Sun*, Chaya Pooput, Kenneth L. Kirk, Murali C.Krishna, Deena Beneda Khosh, Jeanne Drisko_, and Mark Levine*

Molecular and Clinical Nutrition Section and Laboratory of Bioorganic Chemistry, National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, and Radiation Biology Branch, National Cancer Institute, National Institutes of Health, Bethesda, MD 20892; and _Program in Integrative Medicine, University of Kansas Medical Center, Kansas City, KS 66160

Ascorbic acid is an essential nutrient commonly regarded as an antioxidant. In this study, we showed that ascorbate at pharmacologic concentrations was a prooxidant, generating hydrogenperoxide-dependent cytotoxicity toward a variety of cancer cells in vitro without adversely affecting normal cells. To test this action in vivo, normal oral tight control was bypassed by parenteral ascorbate administration. Real-time microdialysis sampling in mice bearing glioblastoma xenografts showed that a single pharmacologic dose of ascorbate produced sustained ascorbate radical and hydrogen peroxide formation selectively within interstitial fluids of tumors but not in blood. Moreover, a regimen of daily pharmacologic ascorbate treatment significantly decreased growth rates of ovarian (P < 0.005), pancreatic (P < 0.05), and glioblastoma (P <0.001) tumors established in mice. Similar pharmacologic concentrations were readily achieved in humans given ascorbate intravenously.

These data suggest that ascorbate as a prodrug may have benefits in cancers with poor prognosis and limited therapeuticoptions.

Die gesamte Studie, hier geht es weiter:
Vitamin C Studie Pharmacologic doses of ascorbate act as a prooxidant Studie Chen Proc Natl Acad Sci 2008

 

Vitamin C schützt Krebszellen oder das Imperium schlägt zurück

Vitamin C schützt Krebszellen oder das Imperium schlägt zurück.

Vitamin C schützt Krebszellen / angeblich
oder das Imperium schlägt zurück. Armin Rau

Seit 01. Oktober, 8:00 MEZ, wissen wir nun, Vitamin C schützt Krebszellen – angeblich – in Mäusen…

Grundlage der Pressemittelungen in Onkologie-Journal, BBC etc. ist eine Studie des Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, unter Leitung von Dr. Heaney. In dieser Studie wurden Krebszellen (leukemia (K562) and lymphoma (RL) cell lines) in vitro und in Mäusen, mit Doxorubicin, Cisplatin, Vincristine, Methotrexate, und Imatinib konfrontiert, mit und ohne Vitamin C-Substitution. Der vollständige Artikel ist nur im Cancer Research (Cancer Research 68, 8031-8038, October 1, 2008. doi: 10.1158/0008-5472.CAN-08-1490

© 2008 American Association for Cancer Research) er- schienen, und daher nicht jedem zugänglich.

Die Ergebnisse der Studie sind nicht wirklich neu und können von daher auch nicht überraschen. Wohl aber die Interpretation dieser Ergebnisse, durch Dr. Heaney:

Heaney says that he suspects that vitamin C is good for the cells of normal tissue because it provides more protection for the mitochondria, and thus probably extends cell life. „But that isn’t what you want when you are trying to eliminate cancer cells,“ said Heaney, who notes that cancer patients should eat a healthy diet, which includes foods rich in vitamin C. It is use of large doses of over-the-counter vitamin C that is worrisome, he says.

Was also ist geschehen? Nicht erst seit John Steinbecks „Von Mäusen und Menschen“ vermuteten wir, dass es gewisse Unterschiede, zwischen Mäusen und Menschen geben könnte. Während Primaten vor etwa 65 Millionen Jahren, die Gulonolakton-Oxidase und damit die Fähigkeit zur Ascorbinsäure-Synthese verloren haben, synthetisieren die kleinen Nager, auch im 21. Jahrhundert, die benötigte Ascorbinsäure selbst. Für Mäuse ist Ascorbinsäure, kein Vitamin. Daher wäre es hilfreich, etwas über eventuelle Feedback-Mechanismen zu erfahren, bei zusätzlicher Substitution von Ascorbinsäure.

In menschlichen Zellen käme Ascorbinsäure nicht vor, wenn sie nicht oral oder thera-peutisch iv. zugeführt würde. So lautet zunächst die spannende Frage: Wie gelangt Ascorbinsäure in die menschliche Zelle? Die Antwort mag zunächst verwundern: GAR NICHT. Die Zellmembranen menschlicher Zellen besitzen (bis auf ganz wenige Ausnahmen) keine Transporter für Ascorbinsäure. Transportiert wird, über Glucose-Transporter, die oxidierte Form der Ascorbinsäure, die Dehydroascorbinsäure. Ascorbinsäure und Dehydroascorbin- säure bilden ein Redoxsystem, bei dem die Monodehydroascorbinsäure (Ein-Elektronen- übergang!) eine reaktionsfähige Zwischenstufe ist. In der Zelle befindet sich zunächst also die Dehydroascorbinsäure, die in Ascorbinsäure reduziert werden muss. Dies geschieht unter Verbrauch von reduziertem Glutathion (2 GSH – GssG). In Abhängigkeit der aktuellen Konzentration von Dehydroascorbinsäure, wird eben der Glutathion-Pool aufgebraucht, der auch die, an der Multi-Drug-Resistence (MDR) gegen Chemotherapeutika massgeblich beteiligte Glutathion-S-Tranferase, unterhält. Eben der Glutathion-Pool, der die durch manche Chemotherapeutika (z.B. Cisplatin) induzierten reaktiven Sauerstoffspezies

(ROS) zu neutralisieren vermag. Es ist letztlich also eine Frage der Dosierung, ob Ascorbin- säure reduzierend, prooxidativ oder oxidierend wirkt.

Nun unterstellt die Studie der Ascorbinsäure vor allem aber eine schützende Wirkung auf die Mitochondrien der Krebszellen. Es geht hier wohl um eine Stabilisierung der Mitochon-drienmembran, die ein Austreten von Cytochrom C und damit die Apoptose-Auslösung (intrinsische Apoptose) verhindert. Aber auch diese Membranstabilisierung ist vorrangig Aufgabe des Glutathion-Systems. Die Konzentration von reduziertem Glutathion wird aber beeinträchtigt, z.B. von der Konzentration von Dehydroascorbinsäure aber auch vom Malignitätsgrad der Krebszelle.

Wie Heaney und vor ihm andere festgestellt haben, besitzen Krebszellen eine gewisse Affinität zur Ascorbinsäure. Dies ist leicht zu erklären. Seit Warburg vermuten wir, seit Coy wissen wir, dass sich die Krebszelle, auf ihrem Weg zur Malignität hin entwickelt, zur archaischen Urzelle. Gehen wir ein paar Schritte zurück in der Evolution, so etwa drei Milliarden Jahre: auf der Erde gab es keinen Sauerstoff. Entsprechend „beschaulich“ sah die Energiebilanz der anaeroben Glycolyse aus. Aus einem Mol Glucose wurden 2 Mol ATP. Erst Sauerstoff „revolutionierte“ den Stoffwechsel und durch „Verbrennung“ konnten nun aus einem Mol Glucose, 36 Mol ATP gewonnen werden. Freilich zum Preis der Sterblichkeit, des oxidativen Stresses und der Notwendigkeit, ausreichender Reduktiosäquivalente. Die Krebszelle schaltet jedoch, im Laufe ihres grundsätzlich ewigen Lebens um, von oxidativer Glycolyse, auf Vergärung. Wegen dieser unökonomischen Stoffwechselbilanz, benötigt die Krebszelle wesentlich mehr Glucose, wozu auch mehr Glucosetransporter notwendig sind. Und diese Glucosetransporter transportieren, wie bereits festgestellt, auch Dehydroascor-binsäure!

Die Krebszelle verabschiedet sich zunehmend von ihren Mitochondrien und deren Funktion und auch von den, nun nicht mehr benötigten Reduktionsäquivalenten. Die in die Krebszelle eingebrachte Dehydroascorbinsäure kann nicht mehr reduziert werden und entfaltet ihr oxidatives, zytotoxisches Potential.

Letztlich fehlt der Studie nur die Umsetzung des pharmakologischen Grundsatzes:

„die Dosis entscheidet, ob eine Substanz ein Gift ist“.

Auch nach dieser Studie muss kein Therapeut, der eine Hochdosis-Vitamin C-Therapie (1Gramm/kg/KG, mindestens 50 Gramm) durchführt, befürchten, dass er damit Krebszellen schützt.

Im Übrigen verweise ich auf die Veröffentlichung von Mark Levine vom 6.06.2008:

“Pharmacologic doses of ascorbate act as a prooxidant and decrease growth of aggressive tumor xenografts in mice”

Armin Rau

 

Hier ist der berechtigte Grund von Armin Rau auf diesen unsinnigen untenstehenden Beitrag zu reagieren

01.10.2008

Vitamin C beeinträchtigt Wirkung von Krebs-Medikamenten

Vitamin-C-Präparate können die Wirkung einer Reihe von Medikamenten gegen Krebs entscheidend beeinträchtigen. Eine Studie des Memorial Sloan-Kettering Cancer Center ist zu dem Ergebnis gekommen, dass je nach Medikament 30 bis 70 Prozent weniger Krebszellen zerstört werden. Weitere Tests nach einer Chemotherapie ergaben, dass Tumore bei Mäusen, die zuvor mit Vitamin C behandelt worden waren, schneller wuchsen. Die Forscher gehen im Fachmagazin Cancer Research davon aus, dass der gleiche Mechanismus auch die Ergebnisse von Krebsbehandlungen bei Patienten beeinträchtigen könnte.

Frühere Studien waren laut BBC davon ausgegangen, dass Vitamin C als Antioxidationsmittel Vorteile für Krebspatienten bringen sollte. Das Team um Mark Heaney untersuchte die Auswir- kungen einer Form von Vitamin C auf die Wirksamkeit einer Reihe von Krebs-Medikamenten auf Krebszellen. Es zeigte sich, dass die Wirkung aller Medikamente beeinträchtigt war, wenn die Zellen zuvor mit Vitamin C behandelt wurden. Manche Arten von Krebsmedikamenten produzieren Moleküle, die als freie Sauerstoffradikale mit anderen Molekülen in der Krebszelle kommunizieren und ihr Absterben herbeiführen können. Theoretisch könnte das Vitamin C die freien Radikale binden und so die Krebszellen trotz Chemotherapie am Leben erhalten.

Die aktuelle Studie zeigte jedoch, dass nicht entscheidend war, dass das Vitamin die freien Radikale neutralisierte. Viel mehr schien es die Mitochondrien in den Krebszellen vor Schaden zu bewahren. Sie sind es, die in einer Zelle ein Energiezentrum schaffen, dessen Beschädigung zum Zelltod führen kann. Das Vitamin trägt daher in der Folge dazu bei, dass die Zellen gerettet werden. Alle Medika- mente gegen Krebs basieren direkt oder indirekt darauf, die Mitochondrien in ihrer Funktion zu stören und so das Absterben der Zelle herbeizuführen. Frühere Studien des Teams hatten nachgewiesen, dass Vitamin C sich in Krebszellen stärker ablagert als in normalen Zellen. Die aktuell eingesetzte Menge des Vitamins entsprach jener, die in hoch dosierten Präparaten ent- halten ist. Heaney räumte ein, dass Vitamin C für gesunde Zellen gut sein kann. Seine schützende Wirkung schlägt jedoch bei Krebszellen in das absolute Gegenteil um. (pte)

Die Antwort von Prof. Thilo-Körner auf die unglaubliche Veröffentlichung „Naturheilmittel Selen könnte Krebs auslösen“

Unglaublich:

Viertel Million Euro für medizinischen Nachwuchs

Ehrung im Justizpalast

Naturheilmittel Selen kann Krebs auslösen von Ulrike Löw

Dann gratulieren wir einmal den Preisträgern für die einseitige und unzureichende Recherche!

Prof. Dr. med. habil. Detlev G. S. Thilo-Körner aus Herzogenaurach, Begründer und Namensgeber "Integrative Medizin" - Innere Medizin, Angiologie, Hämostasiologie, Naturheilverfahren, Magen-Darmerkrankungen, Psychosomatik , Umweltmedizin, Chronische Erkrankungen, ist Mentor, väterlicher Freund, Lehrer, enger Vertrauter und seit über 10 Jahren Wegbegleiter und Berater von Ralf Kollinger
Prof. Dr. med. habil. Detlev G. S. Thilo-Körner aus Herzogenaurach
-Begründer und Namensgeber „Integrative Medizin“

Meine sehr geehrten Damen und Herren, bitte lesen Sie die unten stehenden Artikel derNürnberger Nachrichten und den nachfolgenden Artikel, der nach einem 3 wöchigen Kampf (Prof. Dr. med. Thilo-Körner) mit der Redaktion der Nürnberger Nachrichten dann dochveröffentlicht wurde. Nur zu oft werden derartige Parolen (Naturheilmittel lösen Krebs aus) in die Medienwelt gesetzt, wenn man dann hinter die Kulissen blickt und sieht wie solche Ergebnisse und Behauptungen zustande kommen, wundert es einen nicht, dass der Arzt von seinen Patienten in Frage gestellt wird. Nun verschafft uns doch die Weltliteratur (Forschung) genug Einblick (mind. seit den 70ern) darüber, dass die neuen Behauptungen, für die eshohe Preisgelder gibt, uns schmunzeln lassen. Gott sei Dank gibt es immer wieder Mediziner, die es besser wissen, wie im oben benannten Leserbrief, die aufstehen und diesen Behauptungen den Gar ausmachen. Wir wissen, dass der von uns so geschätzte Herr Prof. Thilo-Körner sich mit der Thematik Selen in der Tumortherapie schon seit über 2 Jahrzenten beschäftigt (Forschung)! Warum man zu diesen Themen nicht authentische Forscher hinzuzieht und befragt, ist uns bis heute ein Rätsel. Im ZDF wurde am 06.11.2006 in der Sendung WISO behauptet, dass Glutathion reine Quacksalberei sei und untauglich in der Krebstherapie ist. Dr. med. Ohlenschläger, der seit 40 Jahren auf diesem Gebiet forscht und Weltweit dafür Anerkennung erhält, wird zudiesem Thema nicht interviewt. Stören dieseehrlichen Forscher die Lobbyisten oder warum kommen diese Herren nicht zu Gehör. Es ist und bleibt uns ein Rätsel. (Oder kennen wir die Antwort?…) Lesen Sie den Artikel von Prof. Thilo-Körner und auch die Reaktion von Professor Dr. Gerhard N. Schrauzer, University of California, der von den Vereinigten Staaten aus, auf diese peinlichen Behauptungen reagiert hat.

Hier geht es zu den beiden Veröffentlichungen