Grundsätze

 afrankfKollinger.Header3

 

 

Präambel

Das Frankfurter Consilium ist ein dem Erfahrungs- und Wissensaustausch dienender Kreis von Therapeuten und Interessierten, welcher sich ungebunden und kritisch mit neuen und bekannten therapeutischen und therapieverwandten Sachverhalten auseinandersetzt.

Oberstes Ziel ist eine Atmosphäre von Dialog und Respekt.

Der Dialog sollte aus einem Interesse an Erkenntnisgewinn und Offenheit für andere Standpunkte erwachsen, anstatt der Selbstdarstellung, Abgrenzung oder der Inszenierung von Ressentiments. Wenn zwei Dialogpartner aus unterschiedlichen Metiers sich eines anderen Idioms bedienen, ist eine Ausdrucksweise zu wählen, die auf den anderen eingeht und einen Lernprozess ermöglicht. Die Heterogenität der Bildungsvitae der Teilnehmenden sollte als Zugewinn gesehen werden.

Die Nennung kommerzieller Sachverhalte kann nicht vermieden werden, darf aber niemals im Vordergrund stehen.

Ziel der Zusammenkunft ist die Motivation der Teilnehmer und die Qualitätshebung der Therapien zum Wohle des Patienten oder der medizinischen oder gesellschaftlichen Entwicklung.

Kostendeckung

Es gibt kein Sponsoring, Referenten werden nicht bezahlt, Mitgliedsbeiträge werden nicht erhoben. Zur Vermeidung von Kosten zur Saalanmietung werden die Teilnehmer angehalten, Getränke und Speisen zu verzehren, wodurch ab einem bestimmten Schwellenwert die Gastronomie keine Miete erhebt.

Respekt

Wenn in einer Diskussion Fakten und Sachverhalte unumstößlich scheinen, geht es dennoch nicht darum, zu missionieren oder zu kämpfen. Auch wenn mitunter die Einsicht beim Diskussionspartner fehlt, ist dieser in seinem Entwicklungsprozess zu respektieren, den man selbst ja auch zu einem früheren Zeitpunkt durchlaufen ist. Die Integration und Förderung ist hier durchaus pädagogisch zu sehen, da ansonsten nur wenige Veranstaltungen solch spektrenreiche Themen anbieten.

Themenbereiche

Es kann und wird kein Themenbereich ausgeklammert, gleichzeitig heisst dies aber auch für die Beteiligten, bisher Unbekanntem oder bewusst Ignoriertem offen zu begegnen. Bezogen auf die Therapien ist dies die Bandbreite zwischen rein somatisch-symptomatisch orientierter Medizin über regulative und erfahrungsheilkundliche Verfahren bis in die philosophisch- transzendentalen Aspekte metaphysischer Therapien. Es gilt der Grundsatz: Niemand hat etwas zu verlieren, indem man Neues hört, sondern nur zu gewinnen. Im Gegensatz zu dogmatisch geprägten Umgangsformen und der Realität des nivellierten Pragmatismus lebt der Diskurs hier von unorthodoxen Ansätzen und Kontrapunkten.

Teilnahme

Die Mitglieder werden angehalten, sich aktiv zu beteiligen. Dies soll nicht im Sinne einer inflationären Diskussionsbeteiligung erfolgen, welche ja immer selektiv und hochkarätig sein sollte, sondern zumindest im aktiven und reflektierten Zuhören. Die Erfragung bereits genannter Informationen auf Grund mangelnder Aufmerksamkeit stört den Erkenntnisprozess anderer, sollte aber bei Unklarheiten gehörter Sachzusammenhänge erfolgen, da möglicherweise andere diese Zusammenhänge ebenfalls nicht verstanden haben. Die Geduld, gegebenenfalls auch bekannten Sachverhalten diszipliniert zuzuhören, muss gegeben sein. Dies gilt insbesondere für Referate, die eher retrospektiv diskutiert werden sollten. Zwischenfragen dienen der Informationserweiterung oder dem Verständnis, nicht dem Widerspruch und der Unterminierung des Vortragsflusses.

Engagement

Die Grunderwartung einer Unterhaltungsveranstaltung ist hier fehl am Platze. Die Reflexion anderer Standpunkte kann anstrengend und provokant sein, muss aber ausgehalten werden.

Interessenkonstellation

Die Runde dient nicht der Selbstdarstellung, erst recht nicht zur Gewinnung oder Zuweisung neuer Patienten.

Geisteshaltung

Demut muss die Maxime jedes Therapeuten sein, denn nur im offenen Zuhören und der Selbsthinterfragung ist er für Patienten und Kollegen eine Bereicherung und wächst in seinem Wesen. Festlegung bedeutet Stillstand. Der Kreis dient nicht der arroganten Selbstbeweihräucherung.

Programm

Die Inhalte der Veranstaltungen werden durch die Programmkommission beschlossen, Anregungen hierfür werden ausdrücklich begrüßt.

Themenspektrum

Das Neueste ist interessant, muss aber nicht zwingend wichtiger als frühere Ansätze sein. Kritische Äußerungen zu Trends und abwägende Betrachtung zu Notwendigkeiten werden an der Tagesordnung sein. Gleichsam befruchtet die Diskussion ungehörter Zusammenhänge den Reifeprozess der Teilnehmer. Experimentierfreudige Offenheit sollte hier die Synopse darstellen. Das oftmalige Fehlen eines eigenen Roten Fadens in der Therapie durch die wahllose Applikation der neuesten Trends zu ersetzen, ist eine klare Fehlentwicklung und hat nichts mit echter Bewusstseinserweiterung zu tun. Die Selbstansprüche müssen hoch gesteckt werden.

Veranstalter

Herr Kollinger und sein Beirat behalten sich vor, im Sinne der Überschaubarkeit und Qualitätswahrung der Veranstaltungen die Teilnehmenden auszusuchen oder selektiv zu beschränken. Dies dient den oben genannten Zielen und muss nicht begründet werden. Es erfolgt eine Einladung. Neue Teilnehmer sind herzlich willkommen, sollten aber zentral angemeldet werden oder in Begleitung erscheinen, wobei für die Einhaltung der in diesem Schriftstück genannten Grundsätze der Einladende für den Gast Verantwortung übernimmt.

Textautor

Dr. Marcus Stanton

Gründer, Moderation und Ausrichtung

Ralf Kollinger